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DWC beschäftigt sich mit der Roma-Integration

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„Ohne Roma kein Aufschwung“ „Bei der Roma-Integration geht nicht nur um Mit­menschlichkeit und
Nächstenliebe. Ohne eine Einbeziehung der Roma in Wirtschaft und Politik
wird es keinen nachhaltigen Auf­schwung geben“, stellte der Vorsitzende
des parlamentarischen Menschenrechtsausschusses, Zoltán Balog (Fidesz),
zu Be­ginn seines Vor­trags vor dem Deutschen Wirtschaftsclub (DWC) am
vergangenen Donnerstag unmissverständlich klar.

Balog Zoltán - Budapester Zeitung

Mit der Absicht, sich das heiße Thema ausgerecht von Zoltán Balog auseinandersetzen zu lassen, ist dem DWC ein Glücksgriff gelungen, immerhin ist vorgesehen, dass der engagierte Politiker und Theologe unter der neuen Fidesz-Regierung ein hohes Amt mit dem Ziel der Roma-Integration bekleiden wird. Er habe sich freiwillig für dieses schwierige, nicht gerade beliebte Amt zur Verfügung gestellt, weil er es nicht länger mit ansehen könne, wie dieses wich­tige Thema so sträflich vernachlässigt werde, erklärte er im Anschluss seines Vortrags ge­gen­über der Budapester Zeitung. Völlig entschieden sei aber noch nichts.
Fällt die endgültige Wahl aber tatsächlich auf ihn, dann wird aller Voraussicht nach wieder Bewegung in das zwischenzeitlich versandete Thema der Roma-Integration kommen. Zu­min­dest erlebten die Gäste der DWC-Veranstaltung einen Politiker, der in der Roma-Frage gewillt ist, Klartext zu reden und ideenreich zu handeln. Für ganz wichtig halte er es zunächst, die Prob­le­me offen anzusprechen. „Wir müssen eine Spra­che finden, um über das Problem klar reden zu können, ohne die Men­schen­würde und die Interessen einer der beteiligten Seiten zu verletzen. Diese Sprache hat uns in den vergangenen zwanzig Jahren gefehlt.“
Nicht zuletzt mit dieser Sprachlosigkeit lasse sich auch der Aufstieg von Jobbik erklären. Die­se Partei habe es verstanden, die ganz realen All­tags­sorgen der Nicht-Roma-Bevölkerung in Wor­te zu kleiden, insbesondere deren Un­si­cherheitsgefühl in Anbetracht von immer mehr von Roma verübten Straftaten. Das erkläre auch, dass Jobbik besonders in Gebieten mit einem hohen Roma-Anteil eine starke Unter­stützung erfährt. Die Roma wiederum würden in diesen Gebieten stark auf den Fidesz setzen, weil sie nur noch von dieser Partei Schutz und Aufstieg erhofften. „Über 90 Prozent der Roma haben in den Gebieten, in denen ich mich genauer umgeschaut hatte, den Fidesz gewählt.“
Wie die Wiedereingliederung der Roma in die ungarische Gesellschaft letztendlich vollzogen wer­den könne, darüber hat Balog schon eine Viel­zahl von klaren Vorstellungen. Für ganz wichtig halte etwa den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und das gegenseitige Kennen­lernen. „Wir kennen zwar das Romaproblem, nicht aber die Roma selbst“, spitzte Balog zu. Unter anderem könnte darüber nachgedacht werd­en, ein Fach wie Romakunde im Schul­unterricht einzufügen.
Schließlich müsse auch die zu starke Fixie­rung der Nicht-Roma-Bevölkerung auf kriminell gewordene Roma relativiert werden. Nicht zuletzt, weil daraus Vorstellungen erwachsen, wonach – wie kürzlich eine Statistik erwiesen hatte – 60 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass den Roma die Kriminalität „im Blute“ läge. In diesem Zusammenhang bezeichnete er übrigens die auf seine Initiative erfolgte, aber von Premier Bajnai vollzogenen Wür­di­gung von rumänischen Roma, die 1990 bei Ausschreitungen in Tirgu Mures ethnische Un­garn gegen gewalttätige Rumänen verteidigt hat­ten, als einen Schritt in die richtige Rich­tung.
Balog ist aber auch Realist. Er ist sich im Klaren, dass es mit gutem Zureden und dem Ab­bau von Vorurteilen allein nicht reiche. Selbst die Rolle der Kirchen im Prozess der Roma-Integration sieht er realistisch. Klar könne es von engagierten Kirchenvertretern immer wieder erfolgreiche Einzelprojekte geben, einen nachhaltigen Aufstieg für die Roma wird es aber nur dann geben, wenn über eine an­sprin­gende Konjunktur wieder mehr Arbeits­mög­lich­kei­ten auch für Roma entstünden. Um Roma gezielt ein menschenwürdiges Leben mit Arbeit und selbstverdientem Brot zu ermöglichen, sprach sich Balog unter anderem auch dafür aus, bei öffentlichen Projekten eine Roma-Quote einzuführen.
Weiterhin sollte, um zu verhindern, dass immer mehr Roma-Kinder von ihren Eltern nicht in die Schule geschickt würden, ein Teil des Kin­dergeldes wieder an den Schulbesuch der Kin­der geknüpft werden. Eine Maßnahme wie sie 1999 unter der ersten Fidesz-Regierung schon einmal eingeführt worden war, dann aber von den Sozialisten mit Berufung auf die Men­schen­­würde gekippt wurde. Außerdem sprach sich Balog auch für die Knüpfung von Sozial­leis­­tungen an gemeinnützige Arbeit aus. Bei die­ser Ar­beit dürfe es sich jedoch um keine „Be­schäf­­ti­gungs­therapie“, sondern um echte und ge­­schätz­te Arbeit handeln.

Forrás: budapester.hu

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