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Tanulni egy jobb életért (Die Presse 2012. január 23.)

2012. jan. 24. Egyéb | Hozzászólások
Thomas Roser tudósítása a pécsi Gandhi Gimnáziumról.

Das Gandhi-Gymnasium in Pecs macht begabte Roma-Kinder mit ihrer Kultur vertraut – und bietet ihnen die Chance auf die Hochschulreife. Auch ohne private Zuschüsse geht das Gymnasium seinen Weg.

Pecs. Ein nahender Abgabetermin macht selbst eifrige Maturanten nervös. Ein halbes Jahr schon haben Julia, Andrea, Vera und Laura im Leistungskurs Roma-Kunde am Gandhi-Gymnasium im ungarischen Pecs über die Begräbnisriten, Religion und Herkunft ihres Volkes recherchiert. Nun müssen die aufgeregten Schüler ihrer „Minidiplomarbeit“ den letzten Schliff verpassen.

Wie das Deckblatt und Anhang mit Quellenverzeichnis genau aussehen sollten, erkundigt sich mit hochgezogenen Augenbrauen die dunkelblonde Julia. „Mein Essay ist zu kurz, was soll ich tun?“, fragt besorgt die zierliche Andrea. „Gibt’s sonst noch Probleme?“, will Lehrerin Maria Farkas nach Unterrichtsende wissen. Ja, Vera hat trotz des Abgabestresses die wichtigsten Dinge des Internatlebens nicht vergessen. Ob Maria vor dem bevorstehenden Schulball wieder einmal eine kostenlose Friseuse organisieren könnte, fragt die sorgfältig geschminkte Schülerin.

Nur wenig scheint sich der Schulalltag in den lichtdurchfluteten Backsteinhallen auf dem ersten Blick von jenem anderer Gymnasien zu unterscheiden. Und doch gilt das Gandhi-Gymnasium in dem hochmodernen Schulkomplex europaweit als Unikum: Die 1994 eröffnete Schule vor den Toren von Pecs ist das einzige Roma-Gymnasium des Kontinents.

„In unserem Land gab es früher fast keine Roma-Kinder in den weiterführenden Schulen“, berichtet Schuldirektorin Erzébet Orsós Gidane, „und die, die es auf die Schulen schafften, fielen schnell wieder aus dem System.“ Nicht nur das ungarische Schulsystem, das auf die Bedürfnisse von Kindern aus sozial benachteiligten Gruppen kaum eingehe, sei schuld daran, dass Roma-Kinder oft „eher ausgegrenzt als integriert“ würden. Sondern auch Vorurteile: „An vielen Schulen sind Roma-Kinder bis heute nicht willkommen.“

Die Schaffung einer „Roma-Intelligenz“ hatten sich die Gründer der Eliteschule zum Ziel gesetzt. So ist Unterricht in Roma-Kunde und den Sprachen Beás und Lovári an der rund 200 Schüler zählenden Lehrstätte zentral. Doch niemand werde ausgegrenzt, beteuert Rektorin Orsós Gidane: „Wir haben auch Schüler, die keine Roma sind.“

Suche nach begabten Kindern

Vier Fünftel der Schüler stammen indes aus Roma-Familien oder gemischten Ehen. „Wir warten hier nicht auf Schüler, sondern suchen nach begabten Kindern im ganzen Land“, berichtet die Schuldirektorin: Allein im Vorjahr hätten ihre Lehrer 168 Grund- und Hauptschulen besucht – „vor allem in kleinen Landgemeinden und in Roma-Dörfern“. Obwohl Unterkunft und Schulbesuch für die Kinder, die die Aufnahmeprüfung bestehen, gratis sind, fällt es der Schule nicht immer leicht, die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder auf ein Gymnasium in einer Großstadt zu schicken. Die Trennung von ihren Kindern, die nur am Wochenende und in den Ferien nach Hause zurückkehren, schreckt viele Familien ab. Die Familienbande der Roma seien „sehr ausgeprägt“, so Orsós Gidane: „Aber wir fragen die Eltern: ,Wollt ihr, dass eure Kinder einmal ein besseres Leben als ihr haben sollen, oder nicht?‘“

Auf rund 800.000 wird die Zahl der Roma in Ungarn geschätzt – in der Region um Pecs lebt knapp ein Zehntel von ihnen. Verarmung, soziale Ausgrenzung und rassistische Diskriminierungen prägen oft den Alltag der Minderheit. Das Gandhi-Gymnasium wirkt da wie eine idyllische Oase. Von paradiesischen Verhältnissen ist die Eliteschule dennoch weit entfernt. „Manche Leute hier mögen die Institution noch immer nicht“, deutet Rektorin Orsós Gidane vorsichtig Probleme im Nachbarschaftsalltag an. In Pecs sei die Schule 1994 eher notgedrungen gelandet: „Wir wollten die Schule zunächst in anderen Städten eröffnen. Aber Anwohner verhinderten dort die Ansiedlung der Schule mit Unterschriftenaktionen.“ Kein Zufall sei daher auch, dass sich die Schule in einem abgelegenen Vorort weit vor den Toren der Stadt befinde. Finanziert werde die Schule „zu 100 Prozent“ vom Staat: „Für Sponsoren sind Schulen kein gutes Investment. Und in Zigeuner wollen sie schon gar nicht investieren.“

Doch auch ohne private Zuschüsse geht das Gymnasium seinen Weg. An der Ehemaligengalerie vor dem Lehrerzimmer prangen Collagen mit den Fotos der Abiturientenjahrgänge. Verstärkt mühe sich die Schule seit einigen Jahren, den beruflichen Werdegang ihrer Absolventen zu verfolgen. Viele haben mittlerweile im Erziehungswesen oder in der Verwaltung gute Positionen“, erzählt die Direktorin. Nicht alle Familien könnten es sich aber leisten, ihre Kinder nach dem Abitur auf eine Uni zu schicken: „Aber selbst für die, die nicht studieren, sind die vier bis fünf Jahre bei uns keine verlorene Zeit.“

Forrás: Die Presse
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